Wir ziehen weiter

Wir ziehen weiter :: photo copyright Karin Bergmann

Warum wir weiterziehen?

Manchmal kommt der Moment im Leben, in dem man spürt, dass es Zeit für eine Veränderung ist. Meine gesteckten Ziele waren alle erreicht: mein eigenes Tageslichtstudio, die besten Kunden der Welt auch weit über die Grenzen hinaus, Brautpaare die mich fragen wann ich Zeit habe für ihre Hochzeit, viele viele Stammkunden, Wertschätzung von Kollegen … zähle ich doch in der Branche nach 30 Jahren als Fotograf schon zu den „alten Hasen“. 🙂 

Was kommt jetzt noch?

Ich hab auch gespürt, dass ich mein Leben zwar liebe, aber dass ich die nächsten 20 Jahre nicht völlig gleich und unverändert leben möchte. Wie sagt man so schön: die Decke hing tief. Ich hatte das Gefühl da muss noch mehr sein.  Ich war auf der Suche nach neuem kreativen Input, neuen Herausforderungen … auf der Suche nach dem next Level.

Auch privat hat sich in den letzten Jahren, nicht zuletzt wegen der Pandemie, sehr viel bewegt. Menschen kommen und gehen und das ist auch voll ok so. Türen schliessen sich und andere Türen öffnen sich.

Wir ziehen weiter :: photo copyright Karin Bergmann

Wir haben uns gefragt: was hält uns hier? 

Mit unseren Herzensmenschen können wir von überall aus in Kontakt bleiben. Und meine Kunden fliegen jetzt schon teilweise zu mir und nehmen weite Strecken auf sich. Gutes Essen gibt’s auch anderswo auf der Welt. 😉 Und nachdem wir von unseren Politikern, Medien und Mitmenschen beschimpft, denunziert, ausgeschlossen und eingesperrt wurden, hält uns der Nationalstolz am allerwenigsten. Steuern zahlen kann ich gerne auch woanders.

Die nächsten Gedanken waren: was wollen wir?

Wir kamen recht schnell zu dem Schluss, dass innerhalb der EU sinnvoll wäre, wegen Aufenthalts- und Arbeitsbewilligungen etc. Ausserdem wäre es am Meer super, zumindest in der Nähe. 😉 Ein angenehmes Klima würde ich mir auch wünschen, nicht zu kalt nicht zu heiss und ein bisschen Wind. Der Norden Europas wäre uns im Winter zu finster und insgesamt zu teuer, im Süden zu heiss und zu extrem. Die Menschen sollten weltoffen und lebensfroh sein und die Mentalität nicht zu exotisch. Gutes Essen darf natürlich auch nicht fehlen für uns. 🙂 Wir lieben es spazieren zu gehen, in die Geschichte einzutauchen, im Café zu sitzen und Menschen zu beobachten … deswegen unbedingt eine Stadt mit Geschichte und Kultur, schönen Gassen und Plätzen, wo auch normales Leben statt findet. 

Zwischenzeitlich war auch die kroatische Stadt Split einmal in der engeren Auswahl, denn wir lieben es dort! Nach ein paar Tagen reinfühlen haben wir aber festgestellt: das ist es nicht ganz. Lustigerweise haben wir in diesen Tagen genau dort liebe Freunde getroffen, selbst digitale Nomaden. Sie haben uns total inspiriert und mit ihnen haben wir auch schon über Lissabon geredet.

Wir ziehen weiter :: photo copyright Karin Bergmann

Also ein Test: wie fühlt es sich an?

Der Flug war schnell gebucht und wir kamen nach Lissabon. Schon die ersten Spaziergänge haben sich für uns beide wie „nach Hause kommen“ angefühlt. Es war ja auch Frühling und es war einfach traumhaft hier: Lissabon von der schönsten Seite! So viele unterschiedliche Menschen und Kulturen, unendlich viel Geschichte(n), Live-Musik an vielen Ecken, ein fröhliches Treiben, pulsierende Strassen, laut und gelassen zugleich. Der Fluss schafft eine wunderbare Atmosphäre in der Stadt, das Meer am Horizont, das Essen einfach fantastisch, bunt und vielseitig, bodenständig und chi chi, alles dabei! Es war für uns beide sonnenklar – ja, das ist es! Auch unser langjähriger Freund und astrologischer Berater Daniel hat zugestimmt: für uns beide gehen mehrere Lebenslinien genau durch Lissabon. Somit blieb nur mehr die Frage:

Wann soll es losgehen?

Da waren wir uns nicht sofort ganz einig. Ich wollte es auf alle Fälle noch etwas hinauszögern, ist doch noch so viel zu tun und vorzubereiten. Helmut wäre definitiv schon früher bereit gewesen. Wir einigten uns auf Herbst – und Ende Oktober sind wir dann gestartet.

Kurz nach unserer Entscheidung haben wir damit begonnen es allen zu erzählen, auch den Social Media. Bis dahin hatten wir nur mit ein paar Freunden und den Familien darüber geredet. Es gab zu 100% positives Feedback und alle lieben sie Lissabon! „Ihr traut euch was“ … „das wollte ich auch schon immer mal machen“ … „Lissabon steht auf meiner Bucket List“ … „wir kommen euch besuchen“ … „ihr solltet bei der Fernsehserie mitmachen“ … und dann noch viele Fragen wie: „Sprecht ihr schon spanisch??“ *lol* Nein, aber wir wollen Portugiesisch lernen. 😉 „Wie lange bleibt ihr weg?“ Keine Ahnung, hat uns die Zeit doch gelehrt, dass so vieles so schnell passieren kann. Alles ist möglich. „Was macht ihr mit dem Studio?“ Das behalten wir einmal als Lager und Schlafplatz, wenn wir in Österreich sind. „Was macht ihr mit dem Auto?“ Mit dem fahren wir nach Portugal. 🙂 „Wirst du noch fotografieren?“ Ja natürlich, ist ja meine Leidenschaft. „Behaltet ihr eure Wohnung?“ Nein, wir können und wollen uns keine zwei Wohnungen in Portugal und Österreich leisten. Und dennoch war es eine der schwersten Aufgaben, unsere wunderbare Wohnung zu kündigen. „Habt ihr schon eine Wohnung in Lissabon?“ Nein, es ist für uns unmöglich aus der Ferne eine fremde Wohnung auszuwählen, ohne sie gesehen, gefühlt und gerochen zu haben. Ganz zu schweigen vom Viertel drumherum. Und zwei Wohnungen gleichzeitig bezahlen war nicht drin, ausserdem kann man Wohnungen nicht so lange im Voraus kostenlos reservieren. Dazu noch viele, viele weitere Fragen, auf die auch wir noch keine Antwort wussten.

Neue Horizonte

Mit Aufarbeiten, Abschliessen, Vorbereiten, Organisieren, Verabschieden und Freunde treffen ist die Zeit jedenfalls sehr schnell verflogen … und dann war er da, der Start unserer Journey.

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